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Willkommen in der Oberösterreichischen Landesbibliothek!
Zehn Jahre nach der Übernahme der ehemaligen "Studienbibliothek" durch das Land Oberösterreich präsentiert sich die "Landesbibliothek" im völlig neu gestalteten Kleid: Mit einem feierlichen Festakt eröffnete LH Dr. Josef Pühringer am Donnerstag, 27. August die erweiterte und sanierte Bibliothek
Die Fertigstellung des Bauvorhabens ist dabei in redkordverdächtiger Zeit vonstatten gegangen: Nur zehn Monate sind seit der Gleichenfeier vergangen und der Grundstein für das neue Gebäude wurde erst vor 22 Monaten gegossen. Landeshauptmann Pühringer: "Mit der Landesbibliothek zeigen wir ein weiteres Mal. wie gut sich Denkmalschutz und moderne Architektur verbinden lassen. Die Kultur unseres Landes bekommt mit den Bauten im Schloßmuseum und mit der Landesbibliothek ein modernes Gesicht und ein zeitgemäßes Arbeitsumfeld."
Das Architekturbüro Bez & Kock (Stuttgart) konnte in einem europaweit ausgeschriebenen Architekturwettbewerb 2006 mit seinem Entwurf für die Erweiterung und Sanierung des historischen Gebäudes überzeugen und errang den ersten Preis unter 52 Einreichungen.
Für Architekt Thorsten Kock war einerseits die Auseinandersetzung mit dem historischen Gebäude aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine besondere Herausforderung, aber auch die inhaltliche Wandlung der Institution von einer eher archivalisch orientierten Magazinsbibliothek hin zur leser- und kundenorientierten Freihandbibliothek war nicht einfach zu bewältigen. In Hinkunft werden die Leserinnen und Leser statt der früheren 150 Quadratmeter Publikumsfläche auf über 2.000 m2 schmökern und lesen können.
Die Vorgabe lautete, keine gravierenden Veränderungen am vorhandenen Gebäude vorzunehmen und dennoch den Zweck einer modernen Bibliothek des 21. Jahrhunderts zu erfüllen. Gelungen ist dies dadurch, dass an der Gebäuderückseite ein "Gebäudebegleiter" entstand, der in drei Tiefgeschoßen die historischen Bestände aufnimmt und in den Obergeschoßen die Publikumsflächen der Bibliothek vorsieht.
Nach dem Passieren des historischen Eingangsportals werden die Besucherinnen und Besucher nunmehr von einer lichtdurchfluteten Halle empfangen, von der aus sich die galerieartig angeordneten Geschoße öffnen und die Leserinnen und Leser zu den Zeitungen, Büchern und zu den elektronischen Informationsträgern führen.
Das neue bibliothekarische Konzept sieht vor, dass die Leserinnen und Leser sich selbst an den Regalen bedienen und in der neuen Literatur schmökern und lernen. Dazu wurde der historische Bücherspeicher aus den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts für das Publikum geöffnet und spiralförmig an die neuen Verkehrswege des Erweiterungsbaus angebunden und eingebunden.
Der neue Baukörper funktioniert als "Passstück" zum historischen Bestand und nicht als zusätzliches neues Gebäude. Architekt Kock: "Es passt wie der Schlüssel zum bereits vorhandenen Schloss".
Das neue verbindet sich mit dem Alten: Zwischen dem historischen Altbestand und dem Neubau fungiert die neue Informationsdrehscheibe als Schnittstelle zwischen den Leserinnen und Lesern einerseits und den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren anderseits.
Die neue Mitte des Hauses, abgeschottet vom Lärm der Stadt, bietet sich hervorragend für Ausstellungen und abendliche Lesungen an. Bereits eine Woche nach der Eröffnung wird in der Halle die Installation der Schweizer Künstlerin Anne Lorenz "deep inside", eine Arbeit für Linz09, eröffnet und bis 10. Oktober 2009 zu sehen sein. Ab 23. Oktober wird die Bibliothek die Ausstellung "Linz literarisch" zeigen.
Aus dem ehemaligen Hinterhof des Studienbibliotheksgebäudes ist ein neues Lese- und Ausstellungszentrum geworden, von dem aus auch die historische Architektur in neuer Form erst "erlebbar" wird.
Im Gegensatz zur offenen Halle, befinden sich im Altbau viele abgeschlossene Räume, die einer neuen Nutzung zugeführt wurden, wie z. B. Gruppenarbeitsräume oder die "Fachinformation", in der vertiefende - von Bibliothekaren betreute Recherchen in vorwiegend elektronischen Informationsquellen - angeboten werden.
Schrift – eine Raumerzählung von Peter Hans Felzmann
Aus dem ehemaligen Festsaal wurde der sogenannte "Erlebnisraum Altes Buch", der die barocken Bücherschränke des ehemaligen Jesuitenklosters samt früher und seltener Druckwerke beherbergt, aber nunmehr um eine multimediale Rauminstallation des Linzer Medienkünstlers Peter Hans Felzmann erweitert wurde. Felzmanns "Raumerzählung" zur Entwicklung der Schrift bietet künftig einen zusätzlichen Anreiz das Haus nicht nur zum Lesen zu besuchen, sondern zu einem musealen Eintauchen in eine Inszenierung von Schrift- und Kulturgeschichte.
In der Auseinandersetzung mit dem Thema "Schrift" und Buchdruck wird die wichtigste konservatorischen Aufgabe der Landesbibliothek thematisiert. Ohne Eingriffe in den historischen Raum vorzunehmen, etwa durch Leinwände oder Bildschirme, wird der gesamte Raum in Form von Boden, Wänden und Decke zu einem multimedialen Erzählraum. Die heikle Aufgabe, den historischen Festsaal umzugestalten, ohne technische Eingriffe vorzunehmen, ist durch die Projektion in den gesamten Raum gelöst worden. Der erzählerische Bogen der künstlerischen Arbeit umfasst dabei die ersten an Felswänden gemalten Bilder und Zeichen und spannt sich bis zum Einfluss der lateinischen Sprache auf die europäische Schriftkultur. Die "Raumerzählung" schildert akustisch und bildhaft die Vielfalt der Kalligraphie, der Typographie, zeigt mittelalterliche Handschriften aus oberösterreichischen Klöstern und die Wirkung der Erfindung des Buchdrucks. Sie spinnt das Thema weiter bis zum Stellenwert der Schrift in der Kunst und zeigt historische Schriftdenkmäler aus den oberösterreichischen Klöstern oder Autographen von Johannes Kepler und Anton Bruckner.
Das Regal – ein "Palindrom"
Die Bibliothek sammelt und archiviert aber nicht nur Kunst und Kultur in ihren Mauern, sondern sie ist selbst ein Kunstwerk. Das bezieht sich einerseits auf das Baudenkmal im Stil der neuen Sachlichkeit, aber auch auf Installationen. So wurde das historische Glasfenster mit dem Wessobrunner Gebet, einer der frühesten poetischen Arbeiten in althochdeutscher Sprache, ergänzt um eine Installation der aus Oberösterreich stammenden Künstler Sabine Bitter und Helmut Weber.
Sabine Bitter und Helmut Weber bauten rund um das gelbe Fenster aus den Dreißiger Jahren drei weitere Fenster in den Farben des Herstellungsprozesses des Vierfarbdruckes, nämlich den Farben Cyan, Magenta und Schwarz. Als "Formfindungsprinzip" arbeiteten die Künstler mit dem Begriff des "Palindroms". Palindrome sind Wörter, die auch in umgekehrter Richtung gelesen, dieselbe oder eine ähnliche Bedeutung ergeben. Als Begriff mit der Assoziation zur Bibliothek wählten Sabine Bitter und Helmut Weber das Wort REGAL, das in umgekehrter Reihenfolge gelesen LAGER ergibt. Lager, im Sinne eines Bücherspeichers und der Lagerung von Wissen. Den Künstlern ist durchaus bewusst, dass der Begriff des "Lagers" im deutschen Sprachgebrauch historisch vorbelastet ist. Dazu Helmut Weber: "Gerade in diesem Zusammenhang wird klar, dass Bedeutung und Interpretation eines Begriffes immer auch vom Kontext, vom Blickwinkel und vom Bewusstsein des Betrachters abhängen".
Lassen Sie sich von den neuen und den gewohnten Büchern und elektronischen Medien inspirieren und zum Lesen verführen!
Die Bibliothek der 100 Sprachen war ein Projekt der Oö. Landesbibliothek für Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas.
Ein abwechslungsreiches Programm und Bücher in vielen verschiedenen Sprachen erwarteten Sie im Container am Schillerplatz.
Lesen Sie nach auf der Homepage www.bibliothekder100sprachen.at
Bücher der Literatur-nobelpreisträgerin Herta Müller im Bestand der Oö. Landesbibliothek finden Sie hier.




